Wasserinfrastruktur im (Klima-)Wandel

Foto: Jorj Konstantinov
Beängstigende Wetterphänomene, aber auch wenig bekannte Energieressourcen in der Wasserinfrastruktur in der Steiermark fordern deren nachhaltige Umgestaltung heraus!
In einer Informationsveranstaltung des Landes Steiermark und der Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten unter dem Titel KLIMA.WASSER.WANDEL wurden die durch den Klimawandel verstärkt auftretenden Gefahren im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft thematisiert. Aber auch die Chance, die zugehörige Infrastruktur zur Energiegewinnung zu nutzen, wurde aufgezeigt.
Hofrat DI Johann WIEDNER, Leiter der A14 für Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit des Landes und die Ziviltechniker DI Gustav SPENER und DI Heinrich SCHWARZL – gemeinsam die Initiatoren dieser Fachtagung – waren sich einig, dass die Anpassung der Infrastruktur an die Herausforderungen des Klimawandels, aber auch ungenutzte Potenziale der wasserbaulichen Anlagen eine Neuorientierung mit kreativen Lösungsansätzen erfordern.
Die seitens der EU zu erwartenden neuen Richtlinien im Bereich Wasserversorgung und Abwasserentsorgung waren Thema der Vorträge von DI Peter RAUCHLATNER und DI Alexander SALAMON aus der A14. Hier kommen große Aufgaben auf Kommunen und Verbände zu. Um diese künftig stemmen zu können, sind von Land und Bund Förderungen vorgesehen, die neben den eigentlichen wasserwirtschaftlichen Projekten auch die Energiegewinnung als Ziele haben. Beide verwiesen auf die notwendigen Vorsorgemaßnahmen, um Schäden aus zu großen Wassermengen aus den vermehrten und starken Niederschlägen, aber auch einem Wassermangel aufgrund von Dürreperioden zu begegnen. Letztere Probleme können durch eine Nutzung von Trinkwassernetzwerken beherrscht werden, deren Kapazitäten im Wasserversorgungsplan aufgezeigt und laufend evaluiert werden. Damit verbunden sind auch Monitoringsysteme zur Überprüfung der Strukturen von der Reinvestitions- bis zur Störfallplanung.
Von Rauchlatner besonders hervorgestrichen wurde die Präferenz auf eine lokale Niederschlagswasserbewirtschaftung bei vermehrt auftretenden Extremwetterereignissen. Vorsorgemaßnahmen dazu können Flächenentsiegelungen, die Schaffung von Versickerungszonen in Mulden oder auch die Vergrößerung von versickerungsfähigen Baumscheiben sein. Diese können Wasser aufnehmen, ohne dass es in die Abwassernetze fließen muss. Gerade in urbanen Gebieten können solche Maßnahmen nach dem „Schwammstadt-prinzip“ durch die spätere Verdunstung auch zur Kühlung der Städte beitragen.
DI Thomas HÖLLER, Lugitsch und Partner ZT GmbH, stellte im Rahmen der Tagung ein Pilotprojekt zur Bewirtschaftung des Niederschlagswassers im oststeirischen Mühldorf vor. In diesem Konzept wird nach einer detaillierten Gefahren- und Bestandserhebung ein Masterplan für die Umsetzung von notwendigen Maßnahmen erstellt. Hochwasser- und Hangrutschungsgefahren sind dabei ebenso ein wichtiges Thema wie lokale Hitzeinseln. Auf Basis dieser Grundlagen wurde ein integriertes Gesamtkonzept abgeleitet, das neben baulichen Maßnahmen zu Rückhalt und Ableitung der Regenwässer auch Maßnahmen zur deren Nutzung mit Prioritäten und Kosten enthält. Vorschläge zu Regelungen im Bereich der Raumplanung und Flächenwidmung – zum Beispiel die Ausweisung von Gefahrenzonen – sind beinhaltet.
DI Klaudia HEINRICH, freiland Umweltconsulting ZT GmbH, unterstrich Bedeutung und Potenziale der Bodenentsiegelung: „Der Boden ist unsere Ressource, um Wasser aufzunehmen und zu speichern – diese Kapazität gilt es zu schätzen. Wir müssen weg von der VER- zur ENT-Siegelung“. Wasserdurchlässige Herstellungsmethoden für Parkplatzflächen können neben ihrem ästhetischen und ökologischen Wert auch wesentlich zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen.
Dass in unseren Abwassersystemen viel ungenutzte Energie im wörtlichen Sinn „den Kanal hinunter rinnt“, unterstrich Dr. Rainer WIEDEMANN, Rabmer Greentech GmbH. Für ein Amtsgebäude in Graz hat er in einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen, dass thermische Energie aus den im Kanal fließenden Abwässern zu Heizung und Kühlung ökonomisch genutzt werden kann.
In dieselbe Kerbe schlugen DI Johann EDEGGER, Ingenos ZT GmbH und DI Gerhard EIBL, TDC ZT GmbH, die mit ihren Partnern von den Kläranlagen Schladming, Gleisdorfer Becken und Fürstenfeld die Möglichkeiten der Energiegewinnung auf Kläranlagen erläuterten. Hier wird einerseits die Autarkie der Anlagen, aber auch eine Kooperation mit anderen Energieversorgern angestrebt.
Ziviltechniker DI Thomas MACH stellte klar, dassTrinkwasserversorgung und Wasserkraft einander nicht ausschließen. Hier kann die Kraft des Wassers positiv zur klimafreundlichen Stromerzeugung genutzt werden.
Die abschließende Diskussion machte deutlich: Anpassungen von Infrastruktursystemen im Bereich der Wasserwirtschaft haben lange Vorlauf- und Umsetzungszeiten. Umso wichtiger ist es, dass alle Verantwortlichen in Wasserverbänden und Kommunen die durch den Klimawandel auf uns zukommenden Herausforderungen bei jeder Projektplanung und Investition schon heute berücksichtigen.
Das Video zur Veranstaltung können Sie hier aufrufen.


